„Die Liebe ist ain Wort“
Oswald von Wolkenstein

Einfluss und Macht, auch über weit entlegene Gebiete und Provinzen, wird zur Zeit des Konzils nicht nur durch lehensrechtliche Beziehungen zwischen Lehnsherr und Vasall, sondern vor allem auch über Verwandtschaftssysteme und familiale Bündnisse zu sichern versucht. Die Ehe ist hier ebenso Sakrament wie Instrument, denn die Sicherung der Hausmacht als vorrangiges Ziel des hohen Adels wird begleitet von einer kontinuierlichen Verheiratungspolitik der Kinder, aus der Loyalitäten und Erbansprüche entspringen sollen.

Im Jahre 1418 wird das Hohe Haus in der heutigen Zollernstrasse Zeuge, wie Machtpolitik und Heiratspolitik ineinandergreifen. Auf Betreiben König Sigismunds findet hier am 9. April die Hochzeitsfeier der fünfzehnjährigen Elisabeth von Brandenburg mit dem vierundzwanzig Jahre älteren Ludwig II. statt, dem Herzog von Liegnitz und Brieg. Elisabeth ist die Tochter von Friedrich VI., dem Burggrafen von Nürnberg, der wegen seiner finanziellen Hilfe bei der Wahl Sigismunds zum deutschen König im Jahre 1411 bereits zum Hauptmann der Mark Brandenburg ernannt wurde. Weil es ihm in der Folge auch gelang, die von gewaltsamen Fehden und von Raubrittern überzogene Mark zu befrieden, wurde er am 18. April 1417 am oberen Markt in Konstanz unter dem Schall von Posaunen und Trompeten mit der Würde eines Markgrafen, Kurfürsten und Erzkämmerer des Reichs belehnt.

Vom Hohen Haus war aber nicht nur der Festzug zum Oberen Markt aufgebrochen, die Hochzeit, die der König im Hintergrund stiftete, sollte die feudalen durch familiale Bindungen ergänzen, um auch den Einflussbereich Sigismunds in Schlesien zu sichern.

  • Das repräsentative Hohe Haus am alten Fischmarkt war während des Konzils immer wieder die Herberge Friedrich VI., des Burggrafen von Nürnberg.
    Mit einem imposanten Gefolge von rund 400 Pferden und 400 Mann war der enge Gefolgsmann des Königs kurz vor dem Dreikönigstag 1415 in die Stadt eingezogen und wurde zwei Jahre später zum Markgrafen von Brandenburg ernannt. Für viele Historiker der Anfang vom Aufstieg des Hauses Brandenburg-Preußens.

  • Audio-Kommentar von Henry Gerlach

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