„Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam...“

Verkündungsformel der Papstwahl

Es ist vielleicht eine Ironie der Geschichte, dass sich nach Jahren der zähen, teilweise brutalen Auseinandersetzungen in Konstanz die Wahl des Papstes Martin V. am Ende nicht der Vernunft und dem Konsens der Teilnehmer verdankt, sondern ganz grundlegenden und materiellen Kulturtechniken der Ausgrenzung.

Mit der schlichten Einsperrung und Überwachung der wahlberechtigten Mitglieder sollte während des Konklave, das zwischen dem 8. und dem 11. November 1417 im Konzilgebäude stattfand, jede Einflussnahme von außen endgültig unterbunden werden. Das von König Sigismund erlassene und strikte Zugangsverbot zum Gebäude sah nicht nur die Versperrung aller Zugänge durch festgezimmerte Balken vor, sondern auch dessen rigide Bewachung durch die Ritter des Johanniterordens. Damit über die wahlberechtigten Kardinäle und Nationsdelegierten auch wirklich nur der Heilige Geist käme, wurden Konklavewächter vereidigt, die selbst die Essenslieferungen auf heimliche Botschaften hin kontrollieren sollten. Nicht einmal Schiffe durften sich von der Seeseite näher als einen Bogenschuss an das Hafengebäude heranwagen.

Dabei zeigen die überlieferten Berichte der Mitglieder des Konklave, dass der Wahlakt bis zum Schluss Schauplatz strategischer Manöver oder schlichter Übertölpelungen war. Was mit dem feierlichen und erlösenden Sprechakt einer Verkündung nun auch öffentlich und rechtswirksam in Szene gesetzt wurde, war bis zum Ende hin offen. Die Wahl des römischen Kardinals Oddo Colonna zum neuen Papst Martin V. erscheint rückblickend wie nur eine realisierte Möglichkeit vor dem Hintergrund stets neuer Wendungen.

  • Ursprünglich repräsentatives Kaufhausgebäude, Umschlagsplatz und Warenlager für den lukrativen Fernhandel nach Norditalien, wurde das 1388 erbaute Konstanzer Konzil zum Schauplatz des Konklave. Mit der wehenden weißen Fahne aus dem Fenster des Konzils und der feierlichen Verkündung des Habemus Papam sollte am 11. November 1417 das abendländische Schisma beendet werden.

  • Audio-Kommentar von Henry Gerlach

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