„Und anschließend gab er mir zwei große goldene Pokale aus Deutschland, die sieben Mark und 30 Dukaten wiegen: Da muss man nichts mehr dazu sagen“ Mossén Borra, Brief an Alfons V, den König von Aragón und Sizilien,  1417


Etymologisch gesehen beschreibt die Vergeltung den schnöden Akt der Rückzahlung. Wer wüsste das besser als die Geldwechsler und Bankiers, die mit ihrem Kredit die Ambitionen und Rachefeldzüge weltlicher Herrschaftsträger finanzieren. Bankiers tauchen daher nicht etwa dort auf, wo Geld ist, sondern vor allem dort, wo es fehlen wird. Nur dann können sie ihre Kredite gewinnbringend verkaufen. 1414 fehlt das Geld vor allem in Konstanz und die Bankiers kommen reichlich, vor allem aus Italien, unter ihnen der aufstrebende Cosimo de Medici. 

Die Geldwechsler bilden das Betriebssystem einer enormen Verschuldungs-, Bereicherungs- und Umverteilungsspirale, die durch den immensen Repräsentationsaufwand der Herrschaftsträger und die Kosten der Unterbringung ihrer Entouragen befeuert wird. Was sich hier in Konstanz entfaltet, ist eine verschwenderische Ökonomie der Prachtentfaltung, aber auch der Gabe und der Gegengabe, durch die Einfluss erkauft und Bindungen gestiftet und befestigt werden sollen. 

Diese durch den Kredit italienischer und deutscher Geldwechsler organisierte Verausgabung wird durch die Hoffnung angetrieben, dass die Vergünstigungen, die Privilegien oder Pfründe, die man erhält, schwerer wiegen, als die Schulden, die man später begleichen muss. Die Teilnehmer des Konzils achten daher mit Argusaugen darauf, wer wen wie beschenkt oder dies versäumt. Warum, so fragt etwa der aragónesische Spion Mossén Borra den Papst und seine Kardinäle ganz unverhohlen, haben sie dem rivalisierenden kastilischen König 60.000 Goldmünzen im Jahr gegeben, aber seinem Herrn, dem König von Aragón, keine einzige Gefälligkeit erwiesen?

  • Spätmittelalterliche Märkte sind Orte, die einem hohen Grad der Kontrolle und einem besonderen Schutz unterliegen, denn sie sollen vor allem eines gewährleisten -einen gerechten Preis durch die Verhinderung von Wucher und Betrug. Mit dem Konzil wurden zahlreiche Wucher- und Zunftbeschränkungen schlicht aufgehoben. Das betraf auch die Zinssätze für Kredite. Wo heute allerdings das Geld der Konsumenten und Touristen in die Stadt fließt, war zur Zeit des Konzils noch vor allem eines: Wasser.

  • Audio-Kommentar von Henry Gerlach

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