„Weil er wie der Pharao sein Herz verstockt und wider die Tränen der notleidenden Kirche, wider die Warnungen seiner besten Freunde und wider die Mahnungen des Königs gleich einer Schlange gegen die Beschwörer seine Ohren verstopft, so liege er hiermit unter dem Judasfluch und unter dem hohen Bann“

Exkommunikation von Johannes XIII durch das Konzil 1415

In der Nacht vom 20. auf den 21. März 1415 passierte Papst Johannes XXIII. als Knappe verkleidet das Schnetztor und floh nach Schaffhausen, das als Herrschaftsgebiet der Habsburger noch Schutz versprach. Hatte er am Anfang des Monats noch seine Zustimmung gegeben, durch seine Abdankung den Weg zur Beendigung des Schismas freizumachen, drohte mit seiner Flucht das Konzil endgültig zu scheitern. Hier, wo sonst bei den prächtigen Einzügen die Geltungsansprüche und die Würde der hohen weltlichen und kirchlichen Konzilsteilnehmer inszeniert wurde, gingen sie nun verloren. Das Tor wurde damit gewissermaßen auch zum Ort der Verwandlung, vom Papst zum einfachen Knappen, vom Sakralen zum Profanen.
Mit seiner Exkommunikation und dem Bannfluch hatte das Konzil eines der mächtigsten Instrumente der mittelalterlichen Kirche aufgerufen - ihre Macht über die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Gläubigen und damit auch über das Seelenheil der Menschen zu entscheiden. Der Papst hatte nicht nur eine Stadt verlassen, sondern vorläufig auch seine Mitgliedschaft in der herrschaftlichen Ordnung der christlichen Gemeinschaft verwirkt. Dabei hatte König Sigismund, der durch den Verrat eines Mitgliedes der päpstlichen Kurie früh von den Fluchtplänen des Papstes erfuhr,
bereits am 14. März alle Stadttore verschließen lassen. Die Stadt, so lässt sich in den Quellen nachlesen, sei so verschlossen gewesen, dass nicht einmal ein Vogel hätte entfliehen können.

  • Stadttore, wie das im 14. Jahrhundert ausgebaute Schnetztor, gehören zu den sensibelsten Orten einer spätmittelalterlichen Stadt. Nadelöhr, durch das die Stadt Kontrolle ausübt über diejenigen, denen hier Zugang gewährt oder verweigert wird, sind sie zugleich attraktive Schauplätze hochgradig zeremonialisierter Handlungen. Hier war Papst Johannes XXIII. am 28. Oktober 1414 noch unter einem goldenen Baldachin und mit hohem liturgischen Aufwand in die Stadt eingezogen.

  • Audio-Kommentar von Henry Gerlach

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